Rudi Rotkohl ist der Älteste in ganz Gemüseland. Er hat große gelbe Gummistiefel, eine violette Latzhose und einen Plan.
„Dieses Jahr", sagte er zu jedem, „habe ich den größten Kürbis vom ganzen Gemüseland!"
Jedes Jahr im Herbst ist in Gemüseland Wiegetag. Da bringt jeder seinen Kürbis auf den Marktplatz. Christel hängt die große Waage in den Kastanienbaum, und Emil schreibt auf, wie schwer jeder Kürbis ist.
Rudi hatte beim Wiegetag noch nie gewonnen. Kein einziges Mal. Und er war schon sooo oft dabei.
„Dieses Jahr", sagte Rudi. „Dieses Jahr aber!"
Im Frühling steckte er einen Kürbiskern in die Erde. Er goss ihn. Er klopfte die Erde fest.
„So", sagte er. „Du heißt Brummi. Und jetzt wächst du."
Am nächsten Morgen lief Rudi vor dem Frühstück zum Beet.
Da war nichts. Nur Erde.
Am Tag darauf: nichts.
Am Tag danach: immer noch nichts.
Rudi legte sich auf den Bauch und guckte ganz nah auf die Erde.
„Brummi?", flüsterte er. „Bist du da drin?"
Nach vielen Tagen kam endlich ein winziges grünes Blatt heraus.
„DA BIST DU JA!", rief Rudi so laut, dass zwei Tauben vom Dach flogen.
Aber dann wuchs Brummi so langsam. So schrecklich langsam.
Rudi hielt seinen Daumen daneben. Brummi war so klein wie Rudis Daumen.
Am nächsten Tag hielt er wieder den Daumen daneben. Immer noch Daumen.
„Du musst dich mehr anstrengen", sagte Rudi.
Er sang ihm ein Lied vor. Er pustete ihn warm. Er erzählte ihm, wie groß die anderen Kürbisse schon sind.
Brummi wuchs trotzdem nicht schneller.
Da fasste Rudi das kleine Pflänzchen ganz vorsichtig an. Und zog. Ein kleines bisschen nach oben.
„Ich helfe nur ein bisschen", sagte er.
Bella Brokkoli und Emil Erbse kamen gerade vorbei.
„Rudi!", rief Bella. „Nicht ziehen!"
„Ich helfe doch nur!", sagte Rudi.
Am nächsten Morgen ließ Brummi alle Blätter hängen.
Rudi bekam einen Riesenschreck. Er rannte los und holte Otto Oregano. Otto weiß über Pflanzen mehr als alle anderen.
Otto kniete sich hin und guckte ganz genau.
„Du hast dran gezogen", sagte er.
„Ein bisschen", sagte Rudi ganz leise.
Otto goss langsam Wasser um das Pflänzchen. Dann drückte er die Erde wieder fest.
„Brummi wird wieder", sagte er. „Aber jetzt muss er sich erst mal ausruhen. Vom Ziehen wächst keine Pflanze."
„Aber das dauert so lange!", sagte Rudi. „Was mache ich denn so lange mit meinen Händen?"
Hanna Hirse stand am Zaun.
„Die kannst du mir leihen", sagte sie. „Ich muss ernten."
Also half Rudi.
Am ersten Tag half er Hanna im Feld und redete hundertmal von Brummi.
Am dritten Tag redete er nur noch fünfmal von Brummi.
Am zehnten Tag strich er mit Emil den Zaun. Und am Abend merkte Emil: Rudi hatte den ganzen Tag kein einziges Mal „Brummi" gesagt.
Rudi schob Karren. Rudi trug Gießkannen. Rudi stapelte Körbe.
Jeden Morgen goss er Brummi. Dann sagte er: „Tschüss, Brummi." Und dann ging er.
Und Brummi wuchs.
Erst so groß wie ein Apfel.
Dann so groß wie Rudis Kopf.
Dann so groß, dass Rudi ihn nicht mehr allein hochheben konnte.
Dann kam der Wiegetag.
Auf dem Marktplatz war es voll und laut. Die große Waage hing im Kastanienbaum und quietschte bei jedem Kürbis. QUIETSCH.
Rudi schob Brummi mit der Schubkarre auf den Platz, und alle drehten sich um. Brummi war riesig. Rund und leuchtend orange.
Emil hängte ihn an die Waage. QUIIIIETSCH. Die Waage ging ganz tief nach unten.
„Der Größte bis jetzt!", rief Emil.
Rudi machte sich ganz gerade. Alle klatschten.
Und dann kam Kalle Kürbis.
Kalle schob etwas Riesiges vor sich her. Es war mit einer Decke zugedeckt, und es war so groß, dass Kalle nicht drübergucken konnte.
Vier mussten mit anfassen, bis Kalles Kürbis an der Waage hing.
QUIIIIIIIIIIETSCH!
Die Waage ging nach unten. Noch tiefer als bei Brummi.
Emil guckte auf seinen Zettel. Dann guckte er zu Rudi.
„Kalle hat den größten", sagte er leise.
„Echt?", sagte Kalle. „Dabei hab ich gar nichts gemacht. Der ist einfach hinter meinem Haus gewachsen."
Alle lachten.
Nur Rudi nicht. Er legte seine Mütze über Brummi und schob ihn nach Hause.
Zu Hause setzte Rudi sich auf die Stufe vor seiner Tür. Brummi lag neben ihm.
Rudi legte den Arm um ihn.
„Ich wollte so gern ein einziges Mal gewinnen", sagte er.
Brummi sagte nichts. Kürbisse sagen nie was.
Da kam Hanna den Weg entlang. Sie stellte einen Korb Hirse auf die Stufe.
„Für die Suppe", sagte sie.
„Welche Suppe?", fragte Rudi.
Aber Hanna war schon wieder weg.
Dann kam Emil und stellte einen Topf Sahne dazu. „Für die Suppe."
Dann kam Bella mit Kräutern. „Für die Suppe."
Dann kam Christel mit einem Sack Zwiebeln. „Für die Suppe."
Dann kam Otto mit dem großen Kochlöffel. „Für die Suppe."
Rudi guckte auf die Sachen. Dann guckte er auf Brummi. Dann guckte er noch mal auf die Sachen.
Und dann musste er lachen. So richtig. Mit dem ganzen Bauch.
„Ihr wollt Suppe aus Brummi kochen!"
„Aus dem zweitgrößten Kürbis vom ganzen Gemüseland", sagte Otto. „Einen besseren gibt es für Suppe nicht."
Ganz zum Schluss kam Kalle. Er hatte nichts dabei.
„Meiner passt in keinen Topf", sagte er. „Viel zu groß. Aber ich kann das Brot verteilen."
Am Abend saß das ganze Dorf vor Rudis Haus und löffelte Suppe. Gelb, dick und warm.
Kalle verteilte das Brot. Jedem zwei Scheiben. Lara bekam drei.
Und Rudi? Rudi saß auf seiner Stufe und hatte einen Kürbiskern in der Hand. Einen von Brummi.
Er steckte ihn ganz tief in die Tasche.
„Nächstes Jahr", sagte er. „Nächstes Jahr zieh ich aber nicht dran."
Ende
🤖 Diese Geschichte wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und von einem Menschen geprüft. Mehr dazu
🏫 Für Kita & Schule: Vorlese-Mappe drucken – mit Gesprächsfragen und Ausmalbild