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Der große Laubhaufen

Vorlese-Fassung · 3–8 Jahre
🎧 Vorlesen lassen Gelesen von einer KI-Stimme

„Größer!", sagte Till Tomate.

„Der ist doch schon riesig", sagte Frida Fenchel.

„Noch größer!"

Den ganzen Vormittag harkten sie Blätter zusammen. Rote, gelbe und braune. Alles kam auf einen Haufen, mitten auf die Wiese hinter der Mauer.

Sie harkten überall. Auch hinten an der Hecke. Da lag besonders viel Laub. Bald war die Erde dort ganz braun. Kein Blatt lag mehr da.

Am Mittag war der Haufen größer als Till. Am Nachmittag war er größer als Frida, sogar mit hochgestreckten Armen.

Till kletterte auf einen Baumstumpf. Er breitete die Arme aus. Und dann ließ er sich rückwärts in den Haufen fallen.

RASCHEL!

Till war weg. Nur ein Fuß guckte noch raus.

„Till?", rief Frida.

„Mir geht's gut", sagte der Laubhaufen.

Dann sprang Frida. Mit Anlauf. Sie landete genau neben Till, und die Blätter flogen bis in den Himmel. Ein gelbes Blatt blieb auf Tills Kappe liegen. Ein rotes blieb an Fridas Nase kleben.

Sie lachten so laut, dass die Vögel aus der Hecke flogen.

Sie sprangen bis zum Abend. Danach war der Haufen ein bisschen platter. Er ging Till nur noch bis zur Brust.

„Morgen springen alle mit", sagte Till.

Aber am nächsten Morgen war der Haufen kleiner.

Nicht viel kleiner. Aber Till merkte es sofort.

„Gestern ging er mir bis hier", sagte er und zeigte auf seine Brust. „Heute nur noch bis hier." Er zeigte auf seinen Bauch.

„Vielleicht war es der Wind", sagte Frida.

Aber an den Bäumen wackelte kein Blatt. Es war ganz still.

„Da nimmt jemand unser Laub", sagte Till. „Da passen wir jetzt auf."

Sie sammelten Stöcke. Sie steckten sie rund um den Haufen in die Erde. Einen neben den anderen, wie einen kleinen Zaun.

„Da kommt keiner mehr durch", sagte Till.

Am nächsten Morgen standen alle Stöcke noch da. Keiner war umgefallen.

Und der Haufen war trotzdem kleiner. Viel kleiner.

Till setzte sich ins nasse Gras. „Das gibt's doch nicht", sagte er leise.

„Wir holen die Gemüsepolizei", sagte Frida.

Bella Brokkoli und Emil Erbse kamen sofort.

Emil holte seine Lupe heraus. Er ging einmal um den Haufen herum. Dann legte er sich auf den Bauch.

„Keine Schuhspuren", sagte Emil. „Aber hier sind ganz kleine Pünktchen in der Erde. So klein wie meine Fingerspitze."

„So klein?", fragte Till. „Und der trägt unser ganzes Laub weg?"

„Und durch den Zaun?", fragte Frida.

Emil zeigte auf die Lücke zwischen zwei Stöcken. „Da passt so ein Kleiner gut durch."

Bella guckte nicht auf den Haufen. Bella guckte auf die Pünktchen.

„Wo gehen die hin?", fragte sie.

Sie gingen den Pünktchen nach. Ganz langsam. Emil vorne, mit der Lupe.

Da lag ein rotes Blatt im Gras. Ein Stück weiter ein gelbes. Und noch eins. Und noch eins.

„Das sind Blätter von unserem Haufen", flüsterte Frida.

Die Spur ging über die ganze Wiese. Bis nach hinten. Bis zur Hecke.

Unter der Hecke lag ein kleiner, runder Berg aus Laub. Rote Blätter, gelbe Blätter, braune Blätter. Ganz dicht aufeinander.

Und mittendrin guckte eine kleine schwarze Nase heraus.

„Den kenne ich", flüsterte Bella. „Der wohnt hier an der Hecke."

Der kleine Igel schlief. Auf seiner Nase lag ein Blatt. Es ging auf und ab, wenn er atmete.

Keiner fasste ihn an. Einen Igel lässt man in Ruhe.

Frida guckte auf den Boden neben der Hecke. Da war die Erde ganz braun. Kein einziges Blatt lag mehr da.

„Till", sagte sie leise. „Hier lag ganz viel Laub. Und wir haben alles weggeharkt."

Till machte große Augen. „Dann ist das gar nicht unser Laub", sagte er. „Das ist seins. Er holt es sich nur zurück."

„Blatt für Blatt", sagte Emil. „Jede Nacht."

„Für sein Winterbett", sagte Bella. „Da schläft er drin, wenn es kalt wird."

Till guckte auf den kleinen Igel. Dann auf den riesigen Haufen.

„Tut mir leid, kleiner Igel", flüsterte er.

Am nächsten Tag harkten Till und Frida noch einmal.

Aber diesmal machten sie zwei Haufen.

Einen großen zum Springen, mitten auf der Wiese. Und einen kleinen, ganz dicht an der Hecke. Da legten sie das Laub dick und locker hin. Daneben stellten sie eine flache Schale mit Wasser. Und davor steckten sie ein Stöckchen in die Erde. Das hieß: Hier springt keiner rein.

Am Nachmittag kamen alle Kinder zum Springen. Sie sprangen in den großen Haufen und lachten. Einer blieb kopfüber stecken. Nur die Füße guckten raus.

Und um den kleinen an der Hecke ging jeder außen herum.

Am Abend war der kleine Haufen schon ein bisschen dicker.

Und oben guckte eine kleine schwarze Nase heraus. Mit einem gelben Blatt auf dem Kopf.

Till und Frida hockten sich hin. Ganz leise.

„Und nächstes Jahr?", fragte Frida.

„Nächstes Jahr fangen wir an der Hecke an", sagte Till. „Erst seiner. Dann unserer."

Frida hielt ihm die Hand hin.

„Abgemacht", sagte Frida. Till schlug ein.

Ende

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