An diesem Morgen war der Bach weg.
Kalle Kürbis stand am Gartentor und rieb sich die Augen. Sonst sah man den Bach von hier aus glitzern. Heute sah man gar nichts.
Nur Weiß.
Nebel. Dicker, weißer Nebel. Wie Watte. Wie eine riesige Decke über ganz Gemüseland.
„Cool", sagte Kalle.
Kalle Kürbis angelt am liebsten. Sein Lieblingsplatz ist der krumme Weidenbaum am Bach. Der ist ganz nah bei der Brücke.
Benno Bohne kam mit seinem Rucksack und einer großen Rolle Papier. Benno malt Karten. Von allem.
„Ich male heute den krummen Weidenbaum", sagte Benno. „Kommst du mit?"
„Klar", sagte Kalle. „Ich angle."
Da kam Christel Chicoree über den Weg, mit Bella Brokkoli und Emil Erbse.
„Bei so dickem Nebel geht keiner allein zum Bach", sagte Christel. „Wir kommen mit bis zur Brücke. Ihr zwei geht nur bis zum Weidenbaum. Keinen Schritt weiter."
„Versprochen", sagten Kalle und Benno.
Am Weidenbaum war alles gut.
Kalle hängte seine Angel ins Wasser. Er stellte seinen Eimer unter den Baum. Benno setzte sich ins Gras und malte.
Aber der Nebel wurde dicker. Und dicker. Und noch dicker.
Bald sah man den Bach nicht mehr. Nur hören konnte man ihn. PLITSCH. PLATSCH.
„Ich muss mal ganz kurz um den Baum herum", sagte Benno. „Ich will ihn von hinten malen."
„Ich komm mit", sagte Kalle.
Sie gingen um den Baum herum.
Dann noch ein Stückchen.
Dann drehten sie sich um.
Und der Baum war weg.
Da war kein Weidenbaum mehr. Kein Eimer. Kein Weg. Keine Brücke.
Nur Weiß. Vorne Weiß. Hinten Weiß. Links Weiß. Rechts Weiß.
„Wo ist der Baum?", fragte Kalle. „Der war doch gerade noch da!"
Benno drehte sich einmal ganz im Kreis. Weiß, weiß, weiß.
Er holte seine Karte heraus. Auf der Karte war alles drauf. Der Weg. Die Brücke. Der Weidenbaum.
Aber im Nebel sah Benno nichts, was auf der Karte war. Die Karte half kein bisschen.
„Ich laufe einfach los", sagte Kalle. „Irgendwo kommt bestimmt was."
„Nein!", sagte Benno und hielt ihn am Ärmel fest. „Wenn man nicht mehr weiß, wo man ist, bleibt man stehen. Das sagt Christel immer."
Kalle blieb stehen. Seine Unterlippe wackelte.
„Benno", sagte er leise. „Ich hab ein bisschen Angst."
„Ich auch", sagte Benno.
Und dann nahmen sie sich an der Hand.
„Gucken bringt nichts", sagte Benno. „Da ist ja nur Weiß."
„Und was machen wir dann?"
Benno dachte nach.
„Augen zu", sagte er. „Ohren auf."
Kalle machte die Augen zu. Benno auch.
Es war ganz still.
Erst hörten sie nur ihr eigenes Atmen.
Dann hörten sie: SSSSSSS.
„Der Bach!", rief Kalle.
„Nein", flüsterte Benno. „Das ist der Wind. Oben in den hohen Bäumen. Der Bach macht PLITSCH und PLATSCH."
Sie hörten weiter.
Tropf, machte ein Blatt.
Und dann, ganz leise:
PLITSCH. PLATSCH.
„DA ist der Bach", flüsterte Kalle und zeigte nach links.
Oben an der Brücke stand Christel und schaute in das Weiß.
„Kalle? Benno?", rief sie.
Keine Antwort.
Sie drehte sich zu Bella und Emil um.
„Wenn ich jetzt losgehe, verlaufe ich mich auch", sagte Christel. „Dann sind wir alle weg. Jetzt brauche ich die Gemüsepolizei." „Emil, du klopfst mit dem Stock an die Brücke. Immer wieder. Ganz laut. Dann hören die beiden, wo die Brücke ist."
Emil nahm den Stock.
KLONG.
„Und du, Bella, du rufst. Und dann bist du ganz still und hörst, ob einer antwortet."
„HALLOOOO!", rief Bella in den Nebel.
Dann war sie ganz still.
KLONG, machte Emil. KLONG. KLONG.
Unten im Nebel hatten Kalle und Benno immer noch die Augen zu.
Und dann hörten sie es.
KLONG.
Kalle riss die Augen auf. „Was war das?"
KLONG.
„Das ist die Brücke!", rief Benno. „Da klopft einer an die Brücke!"
„HALLOOOO!", hörten sie. Ganz weit weg. Ganz dünn.
„Das ist Bella!", rief Kalle. Und dann rief er, so laut er konnte: „HIEEER! WIR SIND HIEEER!"
Oben auf der Brücke hob Bella die Hand.
„Da!", rief sie. „Von da unten!"
Benno hielt Kalle fest. „Nicht zum Bach! Nur dem KLONG nach."
Dann gingen sie los. Hand in Hand. Ganz langsam.
Ein paar Schritte. Stehen bleiben. Hinhören.
KLONG.
Ein paar Schritte. Stehen bleiben. „HALLOOO!"
„HIEEER!", rief Bella zurück. Jetzt schon viel lauter.
KLONG. KLONG.
Und dann kam aus dem Weiß etwas Dunkles. Ein runder Bogen.
Die Brücke!
Und darauf standen Christel, Bella und Emil.
Christel kam ihnen entgegen und nahm beide ganz fest in die Arme.
„Da seid ihr ja", sagte sie. „Ich hatte auch ein bisschen Angst."
„Wir sind nur einmal um den Baum herum", sagte Benno.
„Und dann war alles weg", sagte Kalle.
„Ich bin so froh, dass ich euch gehört habe", sagte Christel. „Bleibt beim nächsten Mal bitte beim Baum."
„Ja!", sagten Kalle und Benno.
Dann wickelte Christel Kalle ihren Schal um, weil seine Ohren ganz kalt waren.
Emil ließ den Stock sinken und schüttelte seinen Arm aus.
„Mein Arm ist ganz müde", sagte er. „Aber das war das beste KLONG meines Lebens."
Am Nachmittag war der Nebel weg. Der Bach glitzerte wieder.
Benno saß am Küchentisch und malte. Aber er malte keinen Weg und keinen Baum.
Er malte ein kleines Ohr.
„Was soll das denn?", fragte Kalle.
„Das ist für Tage, an denen man nichts sieht", sagte Benno. „Hier ist ein Ohr für den Bach. PLITSCH, PLATSCH. Hier ist ein Ohr für den Wind in den hohen Bäumen. SSSSS. Und hier, an der Brücke, ein Ohr für das KLONG."
Drei Ohren. Auf einer Karte.
Und Kalles Eimer?
Der stand noch unter dem Weidenbaum. Den holten sie am Nachmittag, ohne Nebel.
Im Matsch waren noch ihre Fußspuren. Kalle ging von dort bis zum Baum und zählte laut.
„Zwölf! Nur ZWÖLF Schritte! Der Baum war die ganze Zeit ganz nah!"
Und dann lachte er und lachte.
Ende
🤖 Diese Geschichte wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und von einem Menschen geprüft. Mehr dazu
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